Inhalt
Unter dem Energieverbrauchsstil eines Haushalts wird die
Art und Weise des energierelevanten Handelns der am Haushalt beteiligten
Personen innerhalb eines durch den Lebensstil vorgegebenen Orientierungsrahmens
verstanden. Zur Ermittlung dieser Energieverbrauchsstile wird erstmals
in Österreich das aus der Motivforschung stammende Konzept der
Erlebnismilieus mit dem Energieverbrauch auf Haushaltsebene quantitativ
verknüpft. Dazu wird im Rahmen einer repräsentativen Befragung
neben den Erlebnismilieus und sozioökonomischen Daten das energierelevante
Verhalten privater Haushalten erhoben. Der Energieverbrauchsstil ergibt
sich schließlich als eine Zuordnung von typischen Konstellationen
der Energienutzung zu den entsprechenden Erlebnismilieus und sozio-ökonomischen
Parametern.
Methoden
Die Ausgangshypothese des Projekts lautet: Eine Definition
von Energieverbrauchsstilen ist durch eine Verknüpfung von Daten
zu energierelevantem Verhalten und sozioökonomischen bzw. kulturellen
Parametern möglich.
Die Validierung dieser Hypothese erfolgt in folgenden
Schritten:
Zu Beginn des Projektes steht die Konzeption der Energieverbrauchsstile
auf Basis vorhandener Literatur (u.a. Schultze 2005) und die Erstellung
eines Fragebogens. Das darauffolgende Arbeitspaket beinhaltet die Befragung
einer zufällig gewählten Stichprobe in Österreich (n=1014)
nach sozioökonomischen Daten, nach Energieverhalten und nach Erlebnismilieus.
Aufbauend darauf sowie auf statistischer Analysen (Kreuzkorrelationen,
Cluster- und Faktorenanalyse) wird eine Online-Datenbank konzipiert,
die die verschiedenen Energieverbrauchsstile abbilden kann. Die Energieverbrauchsstile
werden durch ExpertInnen-Feedback untermauert und die validierten Ergebnisse
anschließend veröffentlicht.
Download Fact Sheet zur Konzeption der Energieverbrauchsstile
(pdf).
Kurzbeschreibung der Erlebnismilieus
Das Niveaumilieu wünscht
sich eine ruhige, gelassene, kultivierte Umgebung, Perfektion wird hochgeschrieben.
Alles Schrille, Barbarische, Triviale wird abgelehnt, es herrscht ein
Bedürfnis nach Ruhigem und Kultiviertem vor. Kompetenz wird großgeschrieben
und Autoritäten anerkannt. Tradition, Kultur, Bildung ebenso wie
Leistung und Anerkennung werden von VertreterInnen dieses Milieus hoch
geachtet.
Das Harmoniemilieu hingegen wird durch das Trivialschema
charakterisiert (Bedürfnis nach dem Gemütlichen, Einfachen,
Vertrauten, immer Wiederkehrenden, Ablehnung des Fremden und Anstrengenden).
Erprobte Rezepte, die die gewohnte Ordnung nicht allzu sehr durcheinander
bringen und vertraut wirken, haben einen hohen Stellenwert.
Im Unterhaltungsmilieu gibt es ein starkes Bedürfnis
nach Aufregendem, Schnellem und Schrillem. Langweiliges und Konservatives
wird abgelehnt. Kommunikation sollte cool, modern oder sogar schrill
und aufregend sein.
Das Selbstverwirklichungsmilieu ist eine sehr heterogene
Gruppe. Sie ist als einzige durch zwei Schemata charakterisiert - und
zwar durch eine Mischung aus "Perfektion und Spannung". Personen
in diesem Milieu sind aufgeschlossen, lieben das Ausgefallene, Exklusive
und Trendige, und sind neugierig.
Ergebnisse zu Energieverbrauchsstilen
Im Folgenden finden Sie eine tabellarische Zusammenfassung
der Ergebnisse.
Weitere Details entnehmen Sie dem Fact
Sheet "Energieverbrauchsstile" (pdf).



Schlussfolgerungen
Trotz der Unterschiede in den Energiebedarfsmustern der
Erlebnismilieus heben sich Energieeffizienz und Nutzungsverhalten in
Summe auf - letztlich verbraucht jeder Haushalt rund 10.000 kWh pro
Jahr. Dieses Ergebnis ist vor allem deswegen bemerkenswert, da die Nutzung
von energieeffizienten Geräten, eine hohe thermische Wohnqualität
und ähnliche technische Maßnahmen meist als geeignete Mittel
zur Reduktion des Energiebedarfs gesehen werden. Diesbezüglich
wird jedoch übersehen, dass Haushalte, die Energie sehr effizient
nutzen, diese Einsparungen oft durch vermehrte Nutzung bzw. ein intensiveres
Mobilitätsverhalten wettmachen.
Die nachstehende Überblicksgrafik zeigt den berechneten
Energiebedarf pro Kopf in verschiedenen Erlebnismilieus. Die großen
Verbrauchskategorien sind auf den ersten Blick erkennbar: Mobilität
mit dem privaten Auto und Heizen. Trotz der Unterschiede zwischen den
Gruppen unterscheidet sich der Gesamtenergiebedarf über diese Kategorien
zwischen den Gruppen nicht mehr signifikant. Mobilität mit dem/n
eigenen Auto(s) und Heizen schlagen dabei mit zwischen 73 und 78% zu
Buche. Der öffentliche Verkehr, Warmwasser und Beleuchtung machen
jeweils gerade ca. 1% aus. Auf Flugreisen entfällt etwa so viel
wie auf Strombedarf durch elektrische Geräte.
Das Projekt erarbeitete auf Basis eines Workshops mit
ausgewählten Stakeholdern außerdem Empfehlungen für
die Entwicklung möglicher Kommunikationsstrategien sowie Politikmaßnahmen.
Download Österreichische
Energieverbrauchsstile und Kommunikation (pdf)
Download Politikempfehlungen
(pdf)